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Wein, der immer als gesundheitsschädliches Genussmittel geächtet wurde, wird nun sogar in den höchsten medizinischen Kreisen als Heilmittel mancher Krankheiten gehandhabt.

Was unsere Vorfahren schon wussten

Seit ca. 2500 Jahren weiss man, dass Wein, wenn man ihn nicht missbraucht, ein Heilmittel sein kann. Die alten Römer vor allem Hippokrates, der als "Vater der Medizin" betitelt wird, erkannte im Wein so manche heilende Wirkung. Auch in der Bibel heißt es bei Timotheus: "Trinke nicht mehr nur Wasser, sondern nimm ein wenig Wein dazu um des Magens willen und weil du oft krank bist". Auch der Heilige Augustin bescheinigte dem Wein, er erfrische die ermatteten Kräfte, heile Wunden an Leib und Seele und verscheuche Trübsal und Traurigkeit.

 

Die Erkenntnisse der heutigen Mediziner

Die heutige Medizin weiß z.B. dass Rotwein eine ähnlich vergleichbare Wirkung wie Aspirin hat. Das bedeutet, dass man sowohl Kopfschmerzen als auch Darmerkrankungen, Herzkreislauferkrankungen behandeln kann. Weiters ist der edle Tropfen natürlich auch für Wundbehandlung (keimabtötend), zum Fiebersenken und für den vermehrten Harnlass einsetzbar.

Eine Forschergruppe um den Sportmediziner Klaus Jung von der Universität Mainz soll herausgefunden haben, dass Weißwein das Risiko sogar noch stärker senkt als Rotwein. Jung ist der Ansicht, dass bei Männern eine Kombination aus Polyphenolen - das sind Abwehrstoffe der Traube zum Schutz vor Parasiten und Pilzen - und Alkohol den Organismus schützt. Wie sich mäßiger Weingenuss bei Frauen auswirke, sei jedoch noch unerforscht, warnte Jung.

Eine 1995 veröffentlichte Studie des Instituts für Präventivmedizin der Universität Kopenhagen kam ebenfalls zu einem spektakulärem Resultat. Die Forscher beobachteten 6.051 Männer und 7.234 Frauen im Alter von 30 bis 70 Jahren über zwölf Jahre hinweg. Sie fanden heraus, dass Weintrinker mit einem Konsum von immerhin drei bis fünf Glas Wein pro Tag im Vergleich zu Abstinenzlern ein um fast die Hälfte verringertes Risiko haben, Herz-Kreislauf-Krankheiten zu bekommen.

Der schützende Effekt vor Herzinfarkt beruht nach Angaben von Medizinern auf der Veränderung des Cholesterin-Stoffwechsels durch Alkohol. Die "guten" HDL-Fettwerte im Blut werden angehoben, die "schlechten" LDL-Anteile gesenkt. Die Verklumpung der Blutplättchen wird damit vermindert und so einem Infarkt vorgebeugt. Rotwein aus Eichenfässern ist in dieser Hinsicht besonders wirksam: Er wirkt nach einer veröffentlichten Studie der Universität Köln besonders stark gefäßerweiternd, was die Wissenschaftler auf den hohen Gehalt an Tanninen und Phenolen in diesen Weinen zurückführen.

Wein hilft aber auch bei Erkältungen, weil er einen Großteil der Bakterien oder Viren abtötet, hat sich die Deutsche Weinakademie in Mainz, eine Gemeinschaftseinrichtung der deutschen Weinwirtschaft, vom mehreren Professoren bestätigen lassen. Mäßiges und regelmäßiges Weintrinken beuge auch einem altersbedingten Abbau der Gehirnfunktionen vor, verhüte die Nierensteinbildung und rege das Liebesleben an. Junge frische Weißweine wirkten sich positiv auf die Funktionen von Magen und Darm aus, zur Therapie von Durchfällen seien gerbstoffreiche Rotweine geeignet.

Die Phenole, organische Verbindungen, zu denen die Gerb- und Farbstoffe gehören, verhinderten schädigende Sauerstoffreaktionen, also die Bildung von "freien Radikalen" in den Körperzellen. Solche Reaktionen werden für die Entstehung von Krebs und Herzgefäßerkrankungen verantwortlich gemacht. Der gesamte Alterungsprozess wird auf sie zurückgeführt.

Übermäßiger Weingenuss aber kann die Gesundheit auch schnell ruinieren. Nicht nur Leber und Galle, sondern auch Magenschleimhäute würden geschädigt, warnen Mediziner. Alkoholische Getränke sollten überdies bei Depressionen und anderen neurologisch-psychiatrischen Erkrankungen gemieden werden. Erwiesener maßen schädigt Alkohol die Leber und Föten, macht süchtig und ist auch maßgeblich an Autounfällen schuld. Alkoholkonsum dürfe deswegen kein Freibrief ausgestellt werden.

 

Wie viel Wein ist denn nun noch gesund und wie viel schon schädlich?

In den USA wird seit einigen Jahren die Menge von einem oder zwei alkoholischen Getränken pro Tag empfohlen. Was einer Menge von ungefähr 0,2 bis 0,4 Liter am Tag entspricht - also ungefähr 40 Gramm Alkohol. Weine aus Südeuropa und Rotweine haben jedoch einen höhren Alkoholanteil. Gesundheitsschädlich ist jedoch ein hoher Konsum, vor allem, wenn über 20 Jahre lang 80 Gramm Alkohol am Tag getrunken werden.

 

Was ist im Wein enthalten?

Ein Liter Wein enthält im Durchschnitt: 800-900 g Wasser, 20-30 g Glukose und Fruktose, 5-10 g Glyzerin, 6-12 g verschiedene organische Säuren, 60-100 g Äthylalkohol, einige Gramm Kalium, Magnesium, Calcium und Eisen, verschiedene Gärrückstände der Weinherstellung.

Auf den ersten Blick mutet das recht "nüchtern" an. Aber hinter den einzelnen Inhaltsstoffen verbergen sich teilweise kleine Powerpakete. Schon ein bis zwei Gläser Wein können in beachtlichem Maße zur Deckung des täglichen Bedarfs an Mineralstoffen beitragen. Dies gilt vor allem für Kalium, Magnesium, Calcium und Eisen sowie für einige Spurenelemente. Das hauptsächlich in Rotweinen enthaltene Polyphenol hemmt Zellalterung, Entzündungsprozesse, Blutgerinnung und damit die Thrombosebildung.

Insbesondere den in Schalen und Kernen der Trauben in hoher Konzentration vorkommenden Phenolen - hier v.a. den Flavonoiden, Salicylaten und den Tanninen - und dem Alkohol werden zur Zeit die positiven Wirkungen des Weins zugesprochen. Phenole finden sich in hoher Konzentration vor allem im Rotwein und im Holz der Fässer. Die Menge dieser Phenolen hängt von der Reife der Frucht und der Art der Herstellung des Weins ab.

   
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